Klartext vom Küchentisch
Ein paar Tage Schnee.
Minus fünf Grad.
Und plötzlich heißt es überall: Lebensgefahr.
Straßen leer.
Geschäfte leer.
Menschen verunsichert.
Am Imbissfenster hören wir viel Angst.
Und wenig Erinnerung.
Früher gab es Winter, die dauerten Monate.
Schnee, durch den man kaum laufen konnte.
Und trotzdem:
Arbeit.
Bewegung.
Gemeinschaft.
Heute dagegen:
Bei ein paar Zentimetern Schnee soll man zu Hause bleiben.
Aus Sicherheitsgründen.
Und gleichzeitig hören wir jeden Tag,
wie wichtig „Kriegstüchtigkeit“ sei.
Wie schön es sei, dem Vaterland zu dienen.
Merkwürdig, oder?
Für ein paar Zentimeter Schnee ist das Leben zu gefährlich.
Aber für echte Waffen, echte Gewalt und echte Tote
scheint das Risiko plötzlich vermittelbar.
Was läuft hier schief?
Wir sagen nicht: Früher war alles besser.
Aber wir fragen:
Warum ist Angst heute das erste Werkzeug?
Warum nimmt niemand mehr die Schippe in die Hand,
sondern lieber das Handy, um zu schimpfen?
Warum warten wir auf Winterdienst,
statt Wege freizumachen?
Warum reden Medien von Gefahr,
wo eigentlich Zusammenhalt gefragt wäre?
Vielleicht ist das Problem nicht der Winter.
Vielleicht ist es die Gewöhnung an Bequemlichkeit.
Und an Angst als Dauerzustand.
Winter ist kein Feind.
Kälte ist kein Skandal.
Und Leben war nie risikofrei.
Aber Gemeinschaft beginnt dort,
wo man aufhört, alles delegieren zu wollen.
Manchmal reicht eine Schippe.
Und der Mut, nicht alles zu glauben,
was Angst verkaufen will.
Klartext. Vom Küchentisch.

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