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⭐ Ein Stern – unser Klartext zur Bewertungskultur

Klartext-Hinweis:
Dieser Beitrag ist Teil unserer Klartext-Reihe im Imbiss-Blog. Nicht um zu streiten – sondern um Dinge auszusprechen, die viele fühlen und die kleinen Betrieben täglich begegnen.

Klartext vom Küchentisch

Warum wir heute selbst einen Stern vergeben

Sonntag ist bei uns im Imbiss-Blog oft der Tag für Klartext.
Nicht aus schlechter Laune – sondern weil ehrliche Gespräche sonst keinen Platz mehr finden.

In den letzten Wochen haben wir nach einer notwendigen Preisanpassung mehrere 1-Stern-Bewertungen erhalten.
Das tut weh – ja.
Aber nicht wegen des Sterns.
Sondern wegen dessen, was dabei oft übersehen wird.

Heute vergeben wir deshalb selbst einen Stern.
Nicht an einzelne Menschen.
Sondern an eine Haltung, die gerade vielen kleinen Betrieben das Leben schwer macht.


📉 Preise steigen – aber scheinbar nur hier?

Fast jeder kennt es:

  • Die Packung wiegt plötzlich 400 g statt 500 g.
  • Der Preis bleibt gleich – oder steigt leise weiter.
  • Plastiktüten, früher gratis, tauchen nun als Position auf dem Kassenzettel auf.
  • Ein Einkauf, der früher 30 € gekostet hat, liegt heute bei 50 €.

Bei Aldi, Lidl & Co. wird das hingenommen.
Man kauft ja „günstig“.
Man beschwert sich nicht – man passt sich an.

Aber:
Wenn ein kleiner Imbiss ein Gericht für 15 € anbietet, wird plötzlich gerechnet, verglichen, bewertet.


🍳 Rechnen wir es einmal ehrlich durch

Ein frisch gekochtes Gericht entsteht nicht im Regal.

Es braucht:

  • Einkauf (Zeit, Fahrt, Planung)
  • frische Zutaten
  • Vorbereitung (schneiden, klopfen, würzen)
  • Kochen
  • Energie (Strom, Gas)
  • Reinigung
  • Personal
  • Miete, Abgaben, Versicherungen

Allein der Einkauf kostet schnell 30–45 Minuten.
Kochen, Vorbereiten, Nacharbeiten: weitere Zeit.

Und ja:
Der Mindestlohn liegt inzwischen bei rund 15 €.

Ein vollwertiges, frisch gekochtes Gericht für 15 € ist kein Luxus.
Es ist oft schon knapp kalkuliert.


🧾 Der Großhandels-Irrsinn

Früher war klar:
Großhandel = günstiger als Einzelhandel.

Heute erleben wir:

  • Petersilie im Großhandel: 6,95 €
  • Petersilie bei Lidl: 1,29 € (oft mehr Menge)

Das ist kein Einzelfall.
Kartoffeln, Möhren, Fleisch – überall dieselbe Schieflage.

Ein Gastronom steht vor dem Regal und fragt sich:

Wer hat dieses System umgedreht – und warum?

🍽️ Ein reales Beispiel aus unserem Alltag

Ein Kunde bestellt:

  • 2 × XL Schnitzel-Menü
  • 1 × XL Hamburger-Menü
  • 9er Chicken Nuggets

Unsere XL-Schnitzel:

  • mind. 250 g pro Stück
  • XL = 2 Schnitzel, also 500 g-Schnitzel war das...

Dazu:

  • Rahm-Champignon-Soße
  • reichlich Käse
  • auf Wunsch extra geschmorte Zwiebeln (+ Aufpreis)

Das ist viel Arbeit, viel Ware, viel Qualität.

Und trotzdem folgt:

„Zu teuer. 1 Stern.“

Ohne Nachdenken.
Ohne Vergleich.
Ohne Einordnung.


🧠 Warum unser Gehirn so reagiert

Neurowissenschaftlich ist das gut erklärbar:

  • In Stress- und Angstphasen sucht das Gehirn schnelle Entlastung.
  • Ärger wird nach unten weitergegeben.
  • Kleine, greifbare Ziele (z. B. ein Imbiss) werden zu Projektionsflächen.

Nicht die Ursache wird bewertet – sondern der nächste erreichbare Punkt.

Das ist menschlich.
Aber es ist zerstörerisch, wenn es zur Gewohnheit wird.


⭐ Unser Stern – und wofür er steht

Ein Stern für:

  • fehlendes Innehalten
  • fehlendes Rechnen
  • fehlendes Verständnis für Handwerk
  • fehlende Wertschätzung für kleine Betriebe

Nicht aus Trotz.
Sondern als Einladung zum Nachdenken.


🌱 Denn wenn der Mittelstand verschwindet …

… bleiben:

  • Monopole
  • Industrieessen
  • Einheitsware
  • Preise, die niemand mehr beeinflussen kann

Oma-Emma-Läden, Imbisse, Bäckereien, Metzgereien
sind keine Nostalgie.
Sie sind Stabilisatoren einer freien Gesellschaft.

Wo sie verschwinden, wird Abhängigkeit groß.


❤️ Unser Wunsch

Bevor ihr einen Stern vergebt:

  • Rechnet kurz.
  • Vergleicht ehrlich.
  • Denkt an die Arbeit dahinter.

Nicht wir sind schuld an der finanziellen Enge vieler Familien.
Aber wir sind oft die Ersten, die sie abbekommen.

Ein Stern kann schnell gesetzt sein.
Ein Betrieb ist schnell zerstört.

Lasst uns achtsam bleiben.
Das ist alles, worum wir bitten.


BISS IMBISS Moormerland
Ehrlich gekocht. Klar gesprochen.

Was dieser Text sagen will:
Ein Stern ist schnell gesetzt. Ein Betrieb ist schnell beschädigt. Dieser Beitrag ist eine Einladung: kurz rechnen, kurz vergleichen – und die Arbeit dahinter sehen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Claudia (Montag, 09 Februar 2026 15:01)

    Danke für den ehrlichen Beitrag, dem ich voll und ganz zustimme. Ich bin seit fast 25 Jahren ein kleiner 1-Frau-Betrieb im Dienstleistungssektor. Meine Preise sind ab dem ersten Tag betriebswirtschaftlich berechnet und wurden entsprechend der außen-wirtschaftlichen Situation regelmäßig angepasst. Ich erlebe es besonders bei Neukunden, dass sie meine Preise subjektiv mit denen der Mitbewerber vergleichen. Der Kunde sieht natürlich nur seine reine Anwendungszeit bei mir. Nicht aber die notwendige Vor- und Nacharbeitungszeit und selbstverständlich auch nicht die betriebswirtschaftlichen Kosten seiner Anwendung. Auch werden die vielen zusätzlichen Faktoren und Kosten nicht berücksichtigt, die summa summarum den Preis bestimmen. Meine Kunden dürfen eine hochwertige, qualifizierte Leistung von mir erwarten. Diese jedoch nicht zum Schleuderpreis. Mein Lieblingssatz für Kunden, denen meine Preise zu hoch sind: "Du legst deine Gesundheit vertrauensvoll in fachmännische Hände, viel Wissen und Erfahrung. Deshalb bist du zu mir gekommen. Erwarte bitte keinen Discounterpreis. Ich bin ein Fachbetrieb."
    Die meisten Kunden verstehen es. Wer nicht, darf sich gerne neu orientieren. Im übrigen diskutiere ich niemals über meine Preise. Denn die sind gut kalkuliert und nicht gewürfelt. Viel Erfolg euch!

  • #2

    Andrzej & Asia Skulski (Montag, 09 Februar 2026 21:54)

    Liebe Claudia,
    danke für diesen Kommentar – ehrlicher, klarer und näher an der Realität kann man es kaum beschreiben.

    Genau diese „unsichtbaren“ Zeiten und Kosten (Vorbereitung, Nacharbeit, Verantwortung, Erfahrung) verschwinden im schnellen Vergleich leider viel zu oft. Übrig bleibt dann nur eine Zahl – und die wird mit dem falschen Maßstab gemessen.

    Dein Satz „Ich bin ein Fachbetrieb“ trifft es auf den Punkt. Qualität, Verantwortung und Gesundheit sind keine Discounterware.

    Wir wünschen dir ebenfalls viel Erfolg – und vor allem weiterhin Kunden, die genau das zu schätzen wissen.
    Herzliche Grüße
    BISS IMBISS