Am Küchentisch – Teil 6>
Der Tisch ist abgeräumt.Nur eine Tasse steht noch da.
Fast leer.
Der Enkel sitzt mit dem Rücken zur Wand.
Nicht aus Vorsicht.
Eher aus Gewohnheit.
Mama blättert in einem Notizheft.
Ohne wirklich zu lesen.
Oma schaut aus dem Fenster.
Enkel:
„Früher dachte ich, Ruhe heißt, man gibt auf.“
Mama schaut auf.
„Wie meinst du das?“
Enkel zuckt mit den Schultern.
„Na… wenn man nichts sagt.
Wenn man nicht mitmacht.
Dann verlieren doch die Lauten.“
Oma dreht sich langsam um.
Oma:
„Das denken viele.“
Sie setzt sich wieder an den Tisch.
Oma:
„Dabei ist Ruhe oft das Gegenteil von Aufgeben.“
Mama legt den Stift beiseite.
Mama:
„Sondern?“
Oma überlegt kurz.
Oma:
„Eine Entscheidung.“
Der Enkel runzelt die Stirn.
„Wofür?“
Oma:
„Dafür, nicht jede Bewegung mitzumachen.
Nicht jedes Tempo zu übernehmen.
Nicht jede Aufregung weiterzutragen.“
Der Enkel schweigt.
Oma:
„Früher dachte ich auch,
wer still ist, hat nichts zu sagen.“
Sie lächelt leicht.
Oma:
„Heute weiß ich:
Manche sind still,
weil sie genau wissen, wann sie sprechen.“
Mama nickt langsam.
Mama:
„Und weil sie wissen,
wann nicht.“
Der Enkel denkt nach.
Enkel:
„Also ist Ruhe… kein Weglaufen?“
Oma schüttelt den Kopf.
Oma:
„Nein.
Ruhe ist bleiben.
Bei sich.
Bei den anderen.“
Sie tippt mit dem Finger auf den Tisch.
Oma:
„Hier.“
Der Enkel schaut auf die Holzmaserung.
Ganz kurz.
Enkel:
„Dann ist der Küchentisch kein Schutzraum.“
Oma lächelt.
Oma:
„Nein.“
Mama ergänzt leise:
„Sondern ein Ort, an dem man Kraft sammelt.“
Oma nickt.
Oma:
„Damit man draußen nicht hart wird.“
Stille.
Keine schwere.
Eine gute.
Enkel:
„Dann könnte man sagen…
wer sich Ruhe erlaubt,
ist besser vorbereitet?“
Oma steht auf.
Oma:
„Genau das.“
Sie nimmt die leere Tasse.
Oma:
„Die Welt braucht nicht noch mehr Tempo.
Sie braucht Menschen,
die wissen, wann sie stehenbleiben.“
Sie schaut die beiden an.
Oma:
„Und wann sie wieder gehen.“
Der Tisch bleibt zurück.
Still.
Bereit.
Was dieser Teil zeigt
Ruhe ist kein Rückzug.
Sie ist eine Haltung.
Wer ruhig bleibt,
verschwindet nicht –
er verliert sich nur nicht.
Fortsetzung folgt.
(Teil 7: Wenn man merkt, dass Zuhören Mut braucht.)

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